In jedem Menschen wohnt eine Seele

Lange habe ich überlegt, ob ich dieses Thema wirklich anspreche, oder ob ich es einfach dahinstehen lasse. Schlussendlich habe ich mich nun dafür entschieden und bin gespannt wie meine Umwelt – also ihr, die das hier lest – darauf reagiert.

Suzide sind ein sehr kniffliges und schmerzhaftes Thema, das meiner Meinung nach viel offener behandelt werden sollte. Laut WHO sind es circa 800.000 Menschen pro Jahr, die sich selbst das Leben nehmen. Die Zahl derer, die es versuchen liegt deutlich höher.

Hat man mich vor ein paar Jahren auf Suizide angesprochen wurde ich wütend. Ich hielt das für respektlos und feige. Warum? Weil ich mir mit 14 Jahren ansehen musste, wie jemand, der mir die Welt bedeutet, nicht mehr leben wollte oder konnte. Ich hatte das Glück – wenn man das so nennen darf – diese Person zu finden und retten zu können. Aber es zerstörte große Teile in mir und riss mir den Boden unter den Füßen weg. Seither ist das für mich ein Thema, das mich nicht loslässt und das einen sehr großen Teil dazu beigetragen hat, wer ich heute bin. Es ist ein großer Teil meiner Geschichte mit einem enormen Einfluss auf meine Lebensziele.

Die Frage, die wir uns stellen sollten ist meiner Meinung nach nicht „Was kann die Person für sich tun?“. Viel mehr sollten wir uns fragen „Was können wir tun? Was kann unsere Gesellschaft tun, um Menschen nicht mehr das Gefühl zu geben, dass sie ihren Platz auf dieser Welt nicht finden oder ausfüllen können?“.

Ich glaube, dass wenn wir alle ein bisschen mehr daran arbeiten würden die Seele in dem Menschen zu sehen, dass das schon einiges besser machen würde. Viel zu oft lassen wir unsere schlechte Laune an anderen aus, ohne uns zu fragen, was das vielleicht in dem Menschen auslöst. Depressionen, Burnout, Panikattacken, Drogensüchte – all das sind keine erfundenen Kinkerlitzchen. Das sind ernstzunehmende Krankheiten, die meiner Meinung nach ein Ergebnis dessen sind, was hier tagtäglich passiert.

Zu viele Menschen leben ein Leben, das sie nicht glücklich macht. Sie stecken in einem Job, der sie nicht erfüllt, haben „Freunde“, die sich mehr für sich selbst als für jemand anderes interessieren. Die Frage „Wie gehts dir?“ ist meist nur eine Floskel, auf die wir keine Antwort wollen. Musiker stehen auf der Bühne, obwohl sie unter dem Tod eines guten Freundes leiden. Menschen haben keine Zeit mehr Geschehenes zu verarbeiten, es zu verstehen und zu akzeptieren. Das muss aufhören! Wann fangen wir endlich an den Menschen zu sehen?

Wenn wir alle einfach mal mehr dafür geben würden, anderen eine Freude zu machen, ihnen ein Lächeln zu schenken, durch kleine Gesten jeden Tag etwas zu verändern, dann glaube ich, würde das einen Teil dazu beitragen, diese Welt zu einem besseren Ort zu machen. Ich glaube, dass wenn jeder von uns einfach mal eine Postkarte verschicken, einfach mal anrufen oder für einen Besuch vorbeikommen würde, um zu zeigen „Hey, ich mag dich. Du bedeutest mir was!“, dann wären wir alle weniger allein. Wenn wir uns mit anderen unterhalten, sei es auf der Arbeit, im Fitnessstudio oder im Park, dann sollten wir anfangen zuzuhören anstatt einfach nur hinzuhören.

Wir sollten aufhören Menschen zu verurteilen, nur weil wir sie nicht verstehen. Aufhören uns über jene lustig zu machen, die nicht wie wir sind. Und vor allem sollten wir aufhören wegzugucken. Anstatt anderen zu erzählen, dass sie etwas nicht können, sollten wir sagen „Du schaffst das! Ich stehe hinter dir und glaube fest an dich!“.

Wenn wir alle daran arbeiten diese Welt zu einem harmonischeren und schöneren Ort zu machen, an dem man gerne lebt, an dem man sich ineinander investiert, ohne etwas voneinander zu haben, dann glaube ich, dass Menschen, die verlernt haben zu träumen, wieder zu träumen beginnen, dass jene, die kein Lächeln mehr über die Lippen bringen können, weil der Schmerz zu groß ist, bald wieder lächeln werden.
Jeder hat eine Geschichte, die ihm zu dem macht, wer er am heutigen Tag ist und wir alle tragen dazu bei, wie gut oder schlecht diese Geschichte ausgeht.

 

♥ Gina

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