Zwischen Nutella und Glücklichsein – irgendwo da.

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„Was hast du heute schönes zum Abend gegessen?“, fragte meine Mama.  Eine Frage, die ein großes Unbehagen in mir auslöste. „Einen großen gemischten Salat.“ – hörte ich mich sagen. Und 15 Knäckebrote mit Schokoaufstrich, eine Orange, 3 Schalen Schoko Knuspermüsli, ein ganzes Ben&Jerry’s und weiß Gott wieso, habe ich mir kurzerhand auch noch eine Pizza und Pizzabrötchen bestellt. Davon erzählte ich ihr natürlich nichts.

Früher habe ich mir nie Gedanken über Essen gemacht. Es spielte einfach keine Rolle. Schokolade, Eis, Chips und co. haben mich zu diesen Zeiten kaum interessiert. Ich habe Süßigkeiten gegessen, wenn mir danach war und dann war gut. Meine Mutter füllte mir  immer einen Adventskalender mit den Dingen, die ich wirklich super gerne esse. Raffaelo, Rocher, Duplo, … – all die Dinge, die heute keine 10 Minuten halten würden, lagen zu dieser Zeit bis in die Sommermonate bei mir daheim in einer kleinen Süßigkeitenschale. Und heute? Heute brauche ich genau 10 Minuten und ich habe alles aufgegessen. Also die Packung. Die ganze Packung.

Dinge, über die niemand spricht. Diejenigen, die uns innerlich zerstören.

Dieses Gefühl zwischen Selbsthass und Verzweiflung. Der Wunsch nach Hilfe und danach, dass es bitte endlich aufhört gepaart mit der Hoffnung, dass es niemand mitbekommt.

Während ich in der Küche stehe und glaube, dass ich EIN Knäckebrot mit Schokocreme essen kann, merke ich, wie in meinem Kopf der Schalter fällt und ich mich plötzlich nicht mehr unter Kontrolle habe. Es ist für einen Moment, als wäre ich eine Gefangene in meinem Körper. Ich stehe da und die Schokolade auf den Knäckebroten wird von Mal zu Mal mehr und ich esse und esse und … esse … und alles was ich mir wünsche ist, dass es aufhört. Ich sitze auf dem Sofa & verfluche mich. Verfluche meine Schwäche und fange an zu weinen. „Wieso mache ich das jedes Mal?“ .. Eine Frage, die lange in meinem Kopf nachhallt und auf die ich derzeit keine Antwort weiß.

Warum ich plötzlich so zunehme? „Keine Ahnung, ich muss einen Stoffwechseldefekt oder eine andere ernstzunehmende Krankheit haben. Ich esse ja ganz normal.“ – erzähle ich verzweifelt. Und lüge vor allem mir gnadenlos ins Gesicht.

Ich glaubte, was ich sagte.

Es ist wie ein Schleier, der auf der eigenen Sicht liegt. Ein Schleier, der alles verzerrt und der mich meine Probleme leugnen lässt. In der Hoffnung, dass ich dem entgegensteuern kann, mache ich extra viel Sport. Meine einzige Sorge? Nicht zunehmen! Unter keinem Umstand darf ich weiter zunehmen.

Diese Rechnung machte ich ohne das Leben. Nach einem Sportunfall, bei dem ich mir den Ellenbogen etwas zugerichtet hatte, war es irgendwann aus und vorbei mit Sport. Anfangs saß ich mit Gips auf dem Rad im Studio, aber ich merkte schnell, dass mein Körper das nicht will und nicht kann. Dass er jetzt Ruhe braucht.

Und es wurde schlimmer. Ich hatte keinen Ausgleich mehr, fiel in ein noch tieferes Loch, in meinem persönlichen Umfeld ereignete sich viel & ich schottete mich ab. „Wenn es kommt, dann kommt es dicke!“, pflegte meine Oma immer zu sagen. Sie behielt Recht. Ich sprach mit kaum jemandem über die emotionalen Probleme, die ich hatte. Es gab einen Tag in meinem Leben, der mich gelehrt hat, dass emotionaler Schmerz etwas schlechtes ist. Dass man stark sein muss und dass die Schwachen untergehen. Heute weiß ich, dass es nicht so ist und ich arbeite wie ihr wisst daran, die Mauern fallen zu lassen und Schwäche zuzulassen. Aber es gibt Erlebnisse, die sich so tief in deinen Kopf fressen, dass sie dein ganzes Leben bestimmen. Und oft sind wir uns darüber nicht bewusst!

Ich aß und aß und aß.. Und das machte mich zunehmend trauriger, was mich umgehend dazu bewegte noch mehr zu essen. Der Körper wehrt sich. Der hat da nämlich keinen Bock drauf. Haarausfall, schlechte Haut, Durchfall, Gliederschmerzen, Trägheit und Müdigkeit waren ab einem gewissen Zeitpunkt stetige Begleiter. Ich fühlte mich scheußlich und war gefangen in einer Spirale aus Selbsthass, Verzweifelung, Angst und der Enttäuschung darüber, was aus mir geworden war. Der Blick in den Spiegel war eine Qual. Keine Hose passte mehr, T-Shirts waren zu klein und sogar Schuhe und Uhren wurden zu eng.

Ich befand mich seit Ewigkeiten in einer Achterbahnfahrt aus steigendem und sinkendem Gewicht. Aus Kontrolle und Kontrollverlust. Der Fokus immer auf dem Äußeren und auf dem Essen. Ohne mich in dieser langen Zeit ein Mal nach dem Warum zu fragen.

Übergeben habe ich mich nie. Überlegt habe ich es oft. Auf der Suche nach Lösungen, schien das in meinen weniger hellen Momenten die einfachste zu sein. Oft stand ich vor der Toilette. Aber ich habe immer wieder die Kurve bekommen. Gott sei Dank!

Mit jedem Tag, an dem ich daran arbeitete meine Persönlichkeit wachsen zu lassen und stärker zu werden, wuchs auch mein Bewusstsein darüber, dass ich es schaffen werde. Es gibt niemanden, der dich aus einer solchen Lage retten kann.

Der Held in der goldenen Rüstung steht derzeit vor einem Nutellaglas und isst es einfach auf. Der Held bist du!

Du hast dich in diese Lage gebracht und du musst dich auch hinaus manövrieren.

Ich habe mich gefragt, was dieses Ungleichgewicht auslöst und habe einen langen Kampf und einen langen suchenden und hinterfragenden Weg hinter mir. Jetzt, genau in diesem Moment, kenne ich alle Trigger. Ich weiß, was die Auslöser sind. Und ich entferne sie. Ein Trigger nach dem anderen wird schonungslos aus meinem Leben eliminiert. Egal, wer was davon halten mag.

Ich möchte meine 100% leben.
Ich werde meine 100% leben!

Wie ist die aktuelle Lage?
Ich kämpfe – Jeden Tag! Ich bestrafe mich nicht für meine schwachen Momente, sondern nehme mich an die Hand und bin für mich da. Ich unterstütze mich, höre auf mich, auf meinen Instinkt und tue das, was ich wirklich brauche. Nicht das, was die Welt mir sagt, was ich zu brauchen habe.
Ich gebe mir Ruhe und mache Sport. Ich mache Sport nicht mehr, weil ich körperlich dagegen halten will, um eine Form zu halten, sondern um in den Austausch mit mir selbst zu kommen und um gesund zu sein.
Zum aller ersten Mal in meinem Leben kann ich sagen, dass ich einen funktionierenden Austausch mit mir selbst habe. Die Unterhaltungen, die ich mit mir führe, sind die wichtigsten, die ich derzeit führe.
Und ich spreche darüber. Ich spreche offen und ehrlich über meine Schwächen.  Wie jetzt gerade. Der Moment in dem ich die Lage, in der ich mich befinde, zum aller ersten Mal offen angesprochen habe, hat sich angefühlt wie ein Befreiungsschlag.
Es ist, als wäre ich ein kleines Mädchen, das Nachts das Licht anlässt und sieht, dass die Dinge, die im Dunkeln so gruselig ausgesehen haben, gar nicht so schlimm sind. Ich habe mich dazu entschieden meine Schwächen auszuleuchten und sie mir genauer anzuschauen.

„Happiness is a choice!“ – du entscheidest. Meine Entscheidung ist gefallen. Ich wähle mein Glück. Immer!

XO
Gina

18 Gedanken zu “Zwischen Nutella und Glücklichsein – irgendwo da.

  1. Heinz Ebnet schreibt:

    Sehr schön geschriebener Artikel und ich glaube das wir diese Erfahrungen wirklich selbst machen müssen um daraus die Rückschlüsse ziehen zu können damit es anders und besser werden kann.

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  2. extremunlimited schreibt:

    Du hast das wunderbar geschrieben und beschrieben. Ich kenne dieses Gefühl ins bodenlose zu fallen, und es dann mit essen ausgleichen zu wollen. Bei mir war der ausschlaggebende Moment um etwas zu verändern, dass ich mich selber auf einem Foto nicht erkannt habe, und ich mich vor mir selbst gekeltert habe. Wenn man diesen Moment erreicht hat, dann ist das der Anfang für ein neues Leben, und so wie du schreibst bin ich davon überzeugt das du das schaffen wirst. Alles liebe c.

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  3. Jacky schreibt:

    Gruseligerweise erkenne ich mich in dem, was du hier schreibst, echt wieder. Mal ist es schlimmer und dann geht es wieder bergauf. Dann haben wir uns wieder im Griff und mal werde ich wieder schwach und nehme mir vor, das von mir abzulegen. Dann gibt es die bekannten Montage, an denen alles verändert wird. Plötzlich ist schon Donnerstag und ich verschiebe es auf Montag. Ich werde es und will es aber schaffen! Es fällt mir manchmal schwer und manchmal wieder leicht. Ein echter Teufelskreis, aus dem ich so schnell es geht wieder verschwinden möchte 🙂 Danke Gina, ein toller Beitrag von dir! Ganz besonders: Ein wahrer, ehrlicher Post!

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    • Gina schreibt:

      Es geht noch viel mehr Menschen da draußen so, wie es uns beiden ergeht. Eines Tages wird Essen wieder etwas sehr normales und alltägliches, das einfach so passiert. Wie auf die Toilette gehen. Es ist gut, aber man zerdenkt nicht alles. 🙂

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  4. annagla schreibt:

    Gina, ein unfassbar schön geschriebener Eintrag! Du schreibst so ehrlich und offen, dass ich das Gefühl hatte, direkt neben dir zu stehen. Danke, für deine Inspiration. Du kannst wahnsinnig stolz auf dich und deine persönliche Entwicklung sein! ❤️

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  5. Florentine schreibt:

    “Aber es gibt Erlebnisse, die sich so tief in deinen Kopf fressen, dass sie dein ganzes Leben bestimmen. Und oft sind wir uns darüber nicht bewusst!” Dieser Absatz – DANKE. Daran möchte ich arbeiten. Um ein glücklicherer und friedvollerer Mensch zu werden und nicht mehr Kompensationen im Äußeren zu suchen. Um mehr geben zu können.
    Danke Gina, du kannst unendlich stolz auf dich sein. ❤️🙏🏼

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  6. Christina schreibt:

    Dieser Text tat richtig gut! Ich habe schon lange Probleme mit Fressattacken und überlege bei Time To Grow mitzumachen. Ich muss was ändern und versuchen die Auslöser herauszufinden. Ich kam mir Grad so blöd vor, weil dieser Text mich total wiederspiegelt… und er hat mich dazu animiert meine Situation einfach mal zu reflektieren. Ich hoffe bin bei deinem Projekt dabei

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